Rheinmetall stattet NATO-Speerspitze VJTF aus

Die Bundeswehr bereitet sich auf Führungsrolle 2023 vor

Für zwölf Monate führt die Bundeswehr die als NATO-Speerspitze bekannte Eingreiftruppe VJTF. Im Falle eines Einsatzes stünden deutsche Soldaten mit an vorderster Front. Als Partner der Bundeswehr leistet Rheinmetall einen nachhaltigen Beitrag zur Erfüllung der gesteigerten Anforderungen der VJTF und zum Schutz der Soldaten.

Innerhalb von 48 bis 72 Stunden einsatzbereit zu sein, das ist die Anforderung der NATO-Speerspitze VJTF (Very High Readiness Joint Task Force). Es sind mindestens 5.000 Soldatinnen und Soldaten, die in höchster Bereitschaft stehen, aus Land-, Luft-, See- und Spezialkräften. Jedes Jahr wechselt unter den NATO-Nationen die Führung der superschnellen Eingreiftruppe. Neben Deutschland haben Länder wie Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen oder Spanien ihre Bereitschaft erklärt. Für das Jahr 2023 übernimmt Deutschland als Führungsnation die VJTF und stellt bis zu 2.700 Soldatinnen und Soldaten. Rheinmetall Defence trägt hierbei für die kontinuierliche Materialausstattung eine große Verantwortung.

Die Krisenreaktionstruppe

Die VJTF Einheit ist Kern der NATO Response Force (NRF), der bisherigen Krisenreaktionstruppe und ist somit Teil des Readiness Action Plan (RAP). Sie stellt die schnellste Eingreiftruppe der NATO dar. Ihre wichtigste Funktion ist die Beschleunigung der Reaktionsfähigkeit. Zum Schutz der baltischen Staaten initiierte die NATO 2014/2015 den RAP und damit die VJTF. Die Annexion der Krim durch Russland ist Anlass, die Reaktionsschnelligkeit der Streitkräfte zu steigern.

Deutschlands Verantwortung als Rahmennation

Die von der NATO gesetzte Beitrittsbedingung für Deutschland wurde 1954 durch die Unterzeichnung der Pariser Verträge erfüllt. Seit 1955 ist Deutschland verlässlicher Partner der NATO und beteiligt sich an Auslandsmilitäreinsätzen sowie bei der Bündnisverteidigung. Während des kalten Krieges wurde das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland durch Stationierung großer NATO-Verbände und der Bundeswehr geschützt. Eine ähnliche Rolle übernimmt Deutschland mit der Übernahme der VJTF.

Einsätze werden gemeinsam auf politischer Ebene von den NATO-Mitgliedsländern einstimmig entschieden. Im zweiten Schritt entscheidet der Bundestag über eine deutsche Beteiligung.

Die Reaktionszeiten der VJTF

Das VJTF-Rotationsprinzip besteht aus drei Phasen:

  • Stand-Up-Phase : 45 Tage Zeit bis zur Einsatzfähigkeit
  • Stand-By-Phase : zwei bis sieben Tage bis zur Einsatzfähigkeit
  • Stand-Down-Phase : 30 Tage bis zur Einsatzfähigkeit

Drei Staaten sind nach diesem Rotationsprinzip mit verschiedenen Reaktionszeiten einsatzfähig. Für den Ernstfall stehen der NATO somit drei multinationale Brigaden zur Verfügung, die innerhalb von zwei bis 45 Tagen reagieren. Ab 2020 rotiert Polen in die Stand-By-Phase, Deutschland ins Stand-Down. Die multinationalen VJTF-Brigaden erhöhen die Einsatzbereitschaft der NATO.

VJTF und die Bundeswehr

Ob Material- oder Personalmängel, die Bundeswehr hat nachhaltig mit Engpässen zu kämpfen. Als Rahmennation der VJTF-Führung im Jahr 2023 ist es vorgesehen dies zu ändern. Für das Großmanöver „Trident Juncture“ (Dreizack Verbindung) im Herbst 2018 an der norwegischen Küste stellte sich die Bundeswehr der Herausforderung – mit Erfolg. Logistisch sei die Bemessung der Zeit knapp gewesen, reichte für die VJTF-Zertifizierung jedoch aus, auch wenn „Trident Juncture“ Material aus der Bundeswehr zusammenzog, da sie zu dem Zeitpunkt noch nicht voll ausgestattet war. Das Bundesverteidigungsministerium ist mit dem Resultat zufrieden, denn der Vorgang wurde bewusst so vorbereitet, um Schwächen zu identifizieren.

Das Großmanöver „Trident Juncture“ war seit Ende des Kalten Krieges das größte NATO-Manöver. 50.000 Soldatinnen und Soldaten aus 31 Nationen übten, um das Bündnisgebiete verteidigen zu können. 8.000 deutsche Soldaten nahmen erfolgreich an dem Großmanöver teil.

Aufgrund des Rotationsprinzips sind die Brigaden über einen Zeitraum von drei Jahren an die VJTF gebunden. Die VJTF ist eine erhebliche Anstrengung, denn für andere Einsätze und internationale Verpflichtungen stehen sie in der Zeit nicht zur Verfügung.

Rheinmetall liefert an die Bundeswehr

Als Partner der Bundeswehr übernimmt Rheinmetall eine wesentliche Rolle bei der modernen Ausstattung der von der Bundeswehr gestellten NATO-Speerspitze Very High Readiness Joint Task Force für die Stand-By-Phase im Jahr 2023 (VJTF 2023).

Christoph Müller, Leiter Programmorganisation Deutschland:

Wir haben die präzisen Anforderungen der Bundeswehr verstanden. Jetzt sind wir in der Bringschuld. Das System Panzergrenadier wird die materielle Speerspitze des Heeres für VJTF darstellen. An unserer Lieferzeit, Qualität und der Einhaltung des Kostenrahmens werden wir uns schlussendlich messen lassen müssen. Wenn wir dies einhalten, was wir versprechen, schaffen wir die Grundlage für den Erfolg der Bundeswehr. Das ist unternehmerische Verantwortung, denn erst der Bundeswehr-Erfolg ist unser Erfolg.“

Rheinmetall Produkte für VJTF

Schützenpanzer Puma
Puma

Puma

Der Puma soll der Kern für die NATO-Speerspitze VJTF 2023 sein. Es werden 41 Schützenpanzer (SPz) Puma im Rahmen der VJTF ausgeliefert. Der Puma erhält im Rahmen des VJTF Konstruktionsstandards folgende Modifizierung:

  • Erstes Fahrzeug welches mit Software-Defined-Radius (SDR) ausgestattet wird
  • Integration des Lenkflugkörpersystems WA MELLS
  • Verbesserung der Sichtsysteme im Fahrgestell durch farbige Tagessichtkameras sowie farbige Flachbildschirme, Wärmebildkameras, sowie deren Positionierung
  • Infanterist der Zukunft (IdZ): Einrüstung neuer Funkgeräte und des einheitlichen Führungssystems TACNET
  • Integration des AGDUS und EWES Ausbildungssystems
  • Vorrüstung für die Turmunabhängigen Sekundär-Waffenanlage
  • Verbesserung der Sichtsysteme im Turm
  • Ein zweites Bergeseil

Mit dem Konfigurierungsstand VJTF kann der PUMA in Out-Of-Areas Einsätzen und Krisen- und Konfliktsituationen eingesetzt werden. Mit der Einführung der digitalen SDRs wird der Puma das erste digitalisierte Fahrzeug des Heeres sein und bildet den Kern der Digitalisierung des Heeres.

Kampfpanzer Leopard
Leopard 2

Leopard 2

Der Leopard 2 ist wird für die VJTF genutzt. Mit der idealen Kombination aus Feuerkraft, Schutz und Mobilität, bietet der Leopard 2 Kampfpanzer eine enorme Kampfkraft. Das macht ihn zum leistungsstärksten Kampfpanzer der Welt.

Rheinmetall liefert für den Leopard die Waffenanlage und Munitionspalette, die Feuerleitanlage sowie die Turmelektrik und Sichtsysteme.

Radpanzer Fuchs
Fuchs 2

Fuchs 2

Der Fuchs ist nach wie vor das Rückrad innerhalb der Bundeswehr mit über 900 Stück in der Nutzung. Auch für VJTF wird eine große Anzahl des Fuchs genutzt werden mit verschiedenen Konfigurationen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist seine Vielseitigkeit:

  • ABC Spürpanzer
  • Sanitätsfahrzeug
  • Pioniergruppenfahrzeug
  • Fuchs KAI
  • Träger für verschiedene Gerüstsätze wie beispielsweise Radare

Aktuell wurde eine neue Fuchs Version entwickelt. Der Fuchs 1A8 Plus ist gemeinsam mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) entwickelt, welcher dank neuem Antriebsstrang auf dem Gefechtsfeld mit dem Boxer wieder mithalten kann.

Als Gruppenfahrzeug erreicht der Fuchs eine Geschwindigkeit bis zu 100km/h, dank 6x6 Antriebsformel.

Schützenpanzer Marder
Marder MELLS

Marder MELLS

Der Schützenpanzer (SPz) Marder ist noch immer das Hauptarbeitsgerät der Panzergrenadiertruppe und kann im heutigen Gefecht mit modernsten Mitteln den Anforderungen bestehen. Seine Leistungsfähigkeit hat der MARDER bereits eindrucksvoll in den Einsatzgebieten im Kosovo und unter extremen Bedingungen in Afghanistan unter Beweis gestellt.

Die amtsseitige Planung sieht die Nutzung vom SPz Marder 1A5 bzw. A3 für weitere Jahre vor und führt gemeinsam mit der Rheinmetall Landsysteme GmbH Maßnahmen zur Nutzungsdauerverlängerung sowie für die Very High Joint Readiness Task Force (VJTF) durch. Beispielsweise wird die abgekündigte Panzerabwehrwaffe MILAN durch das hochmoderne MELLS-System mit Fire-and-Update Fähigkeit ersetzt oder die Führungsfähigkeit mit digitalen Führungsmitteln verbessert.

Somit ist der Marder auch zukünftig für die Einsätze der Heeresstreitkräfte gewappnet.

Ungeschützte Transportfahrzeuge (UTF)
UTF HX2

UTF HX2

Für die VJTF plant die Bundeswehr die Nutzung von LKWs der HX2-Familie. Die UTF-Fahrzeuge werden an die Bundeswehr aus den in 2017 abgeschlossenen Rahmenvertrag geliefert. Es handelt sich dabei um HX2-Fahrzeuge mit der Zuladungsklasse 5 und 15 Tonnen.

Bis 2025 sollen 2271 Fahrzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert werden, womit der Auftrag abgeschlossen wäre. In Absprache mit der Bundeswehr wird die Auslieferung wesentliche schneller umgesetzt werden. Im nächsten Jahr ist eine Auslieferung von 1000 HX2-Fahrzeugen geplant, sodass 2021 der Auftrag abgeschlossen ist und eine Nachfolgebeschaffung möglich sein wird.

Der HX2 ist der Nachfolger des legendären KAT I, welcher sich bis heute bei der Bundeswehr befindet.

Die HX Fahrzeuge sind besonders für schwere Geländeeinsätze geeignet. Durch ihre robuste Blattfederung und Stoßdämpfern aus Stahl, dient das Allroundfahrzeug als zuverlässiger Lastentransporter.

Gefechtsmunition
40mm Gefechtsmunition

40mm Gefechtsmunition

Rheinmetall ist Hauptlieferant der Bundeswehr für Gefechtsmunitionen und für die anstehenden VJTF Einsätze für den "Kampf der verbundenen Waffen".

Im Kaliber 30mm x 173 produziert und liefert Rheinmetall die zwei Haupt - Gefechtsmunitionen KE-TF DM21 sowie KE DM33 für den SPz PUMA. Beide Munitionen sind nach neuesten Standards entwickelt, qualifiziert und sind weltweit konkurrenzlos betreffs Zuverlässigkeit, Wirkung, Durchschlagleistung und Präzision. Die äußerst zuverlässige Programmierung der KE-TF ermöglicht dem SPz PUMA das bekämpfen größerer infanteristischer Flächenziele.

Für die Granat Maschinen Waffe (GMW) liefert Rheinmetall die drei Patronentypen 40mm x 53 HE, HE-DP sowie HE-ABM. Durch Ihren modernen ESD Zünder werden diese Patronen mit bis zu 2.200m Reichweite zum zuverlässigsten Wirkmittel der Infanterie. Die Programmierung der 40mm x 53 HE-ABM DM131 macht es möglich gegnerische Parteien in und hinter Deckungen zu bekämpfen. Dies ist eine Funktion die derzeit nur der Bundeswehr auf dem modernen Gefechtsfeld zur Verfügung steht.

Rheinmetall ist Alleinlieferant der Gefechtsmunitionen 120mm x 570 HE-Temp DM11, KE DM63. Das amtsfinanzierte Entwicklungsvorhaben der DM11 wurde explizit für die Bekämpfung von Infanterie Flächenzielen mit Ausmaßen von 85 x 100m entwickelt. Diese Munition wird aus dem KPz Leopard 2 A7V verschossen und hat drei Zündermodi: Luftsprengpunkt, Aufschlag und Verzögerung.

Die Leistungssteigerung der KE Munition zur DM73 wird im Jahr 2020 abgeschlossen sein und bietet dem deutschen Heer einen entscheidenden Reichweiten- und Penetrations-Vorteil, zusätzlich erhöht sie die Duellfähigkeit des Kampfpanzers essentiell.

Das von Rheinmetall für die PzH entwickelte wirkmassenoptimierte Geschoss 155mm DM121 bringt elfeinhalb Kilogramm Hochleistungssprengstoff auf eine Entfernung von 30 Kilometern mit höchster Präzision sicher ins Ziel. Damit ist dieses Geschoss das sprengkräftigste Art HE Geschoss weltweit. Auf maximale Entfernung schlagen circa 85% aller Projektile auf der Fläche in der Größe eines Fußballfeldes ein. Aufgrund des Zusammenspiels der hochwertigen Komponenten ist die DM121 in der Lage, zehn Zentimeter Stahlbeton zu durchschlagen und dahinter kontrolliert umzusetzen. Durch die gewährleistete Funktion im Temperaturbereich von -46°C bis +63°C lässt sich die DM121 weltweit mit konstanter hoher Leistung einsetzen. Der insensitive Sprengstoff gewährleistet den Schutz der eigenen Kräfte bei Munitionstreffern oder anderweitigen Vorfällen.

  • Rheinmetall AG

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