Rheinmetall Defence entert Kreuzschifffahrt-Branche

Aida Cruises simuliert mit Technik aus Bremen

2012 haben laut Deutschem Reiseverband fast zwei Millionen Bundesbürger eine Hochsee- oder Flusskreuzfahrt unternommen. Die Anbieter erzielten über 2,6 Milliarden € Umsatz; gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 11,3 Prozent. Beinahe jeder dritte Urlauber entschied sich dabei für den Branchenprimus Aida Cruises; die Reederei ist seit Jahren der erfolgreichste deutsche Kreuzfahrtanbieter.

Im September 2012 eröffnete das Unternehmen an seinem Firmenstandort in Rostock mit CSmart Rostock an der Aida-Academy ein Zentrum für maritimes Simulator-Training; die Technik dazu lieferte die Bremer Rheinmetall lectronics GmbH. Bis zum Ende des Jahres 2013 absolvierten dort mehr als 200 Kapitäne und nautische Offiziere das maritime Training.

Neue Trainingsteilnehmer stehen schon bereit, denn die Kreuzfahrtbranche boomt. 2012 beförderten die zehn Aida-Clubschiffe über 630.000 Passagiere zu Reisezielen auf der ganzen Welt. Ihre Routen führen etwa in den Orient, nach Südostasien, nach Nordamerika, ins Mittelmeer, in die Karibik oder auf die Kanaren.

Nicht zuletzt die hochmoderne Technik, mit der die Schiffe ausgerüstet sind, sorgt dafür, dass sich die Gäste an Bord sicher fühlen können. Im Umgang damit werden die Aida-Kapitäne am Simulator geschult, und zwar ganz gezielt mit Blick auf sichere Navigation und Schiffsführung. Für die Inbetriebnahme des Simulationszentrums hatten sich die Beteiligten ein sehr ehrgeiziges Terminziel gesetzt: Neun Monate dauerte es von der Auftragserteilung bis zur feierlichen Eröffnung am 5. September 2012; bereits bei Vertragsabschluss war dieses Datum mit Rheinmetall Electronics vereinbart worden.

Verena Kampe und Stefan Vogelsang, Rheinmetall Defence in Bremen, betreuen das Thema Simulation für AIDA Cruises

Verena Kampe und Stefan Vogelsang, Rheinmetall Defence in Bremen, betreuen das Thema Simulation für AIDA Cruises

Bei der Ausschreibung zur Lieferung des modernen, kundenspezifischen Simulator-Systems hatte sich der Bremer Systemspezialist gegen drei internationale Konkurrenten durchgesetzt. „Das Projekt war für uns immer schon sehr prestigeträchtig; zum einen wegen des Namens Aida, zum anderen bedeutete die Auftragserteilung für uns den Einstieg in den Kreuzschifffahrt-Markt“, so Verena Kampe, die seit 2003 in Bremen als Projektleiterin im Bereich „Maritime and Process Simulation“ tätig ist. „Ich denke, unser Gesamtpaket und die Referenzen von Rheinmetall haben am Ende dafür gesorgt, dass wir den Zuschlag erhalten haben. Aida, immerhin Deutschlands erfolgreichstes Kreuzfahrtunternehmen, zählt zu den besonders anspruchsvollen Kunden“, ist sich die 37-jährige Diplom-Ökonomin und gebürtige Bremerin bewusst.

Insgesamt umfasste der Auftrag die Lieferung von fünf Einzelsimulatoren: einen so genannten „Full-Mission-Bridge“-Simulator als Hauptbrücke und vier kleineren „Part-Task-Bridge“-Simulatoren. Eines der wesentlichen Highlights des Simulators ist die Tatsache, dass sich die Hauptbrücke in Design und Layout an der Brücke der AIDAblu orientiert, ein 2010 in Betrieb genommenes Kreuzfahrtschiff. Es sind nicht nur die gleichen Originalgeräte wie an Bord vorhanden, sondern auch die Farben, der Teppich und sogar die Decke der Brücke sind identisch gestaltet. „Die Akzeptanz bei unseren Offizieren ist sehr groß, da der Simulator sehr Aida-spezifisch gebaut ist. Nach Abschluss der Trainings führen wir Befragungen insbesondere zur Praxisnähe durch. Die Offiziere fühlen sich offenbar auf der Full-Mission-Bridge zu Hause. Die Teilnehmer vergessen mitunter komplett, dass sie sich auf einer Trainingsbrücke im Simulator befinden und nicht an Bord“, resümiert Burkhard Müller, Kapitän und Director Maritime Simulator Training bei der Rostocker Kreuzfahrt-Reederei, über seine Erfahrungen mit dem Rheinmetall-Simulator.

Eine technische Herausforderung im Projekt war die erstmalige Integration des neuen Brückensystems „Nacos Platinum“ der Firma SAM Electronics, das den technischen Kern der Schiffsbrücke bildet. Dieses System stellt alle Daten für die Navigation und die unzähligen Maschinen und Hilfsmaschinen an Bord über ein Netzwerk auf mehreren Bildschirmen bereit. Bei dem Hamburger Hersteller handelt es sich im Übrigen um eine ehemalige Rheinmetall-Tochter; bis November 2003 firmierte die SAM Electronics GmbH unter STN Atlas Marine Electronics GmbH im Düsseldorfer Konzern.

Beim Training an der Full-Mission-Bridge werden unter anderem die Häfen von Hamburg, Bangkok und Singapur auf 220 Grad Panaromabildschirmen dargestellt. Außerdem können Einflüsse wie Seegang, Wind, Strömung, verschiedene Lichtverhältnisse oder Niederschlag in die Manöver eingebaut werden. An den Part-Task-Bridges werden neue Offiziere an nautischen Instrumenten und Geräten geschult, wie beispielsweise dem Radarsystem.

Für die nautischen und technischen Führungskräfte von Aida soll sich die Simulation möglichst realistisch anfühlen. Auch deshalb werden die Originalgeräte aus der bereits erwähnten AIDAblu, wie die elektronische Seekarte oder das Radar, in dem Simulator verwendet. Diese werden durch die Software von Rheinmetall Electronics mit fingierten Signalen „stimuliert“, d.h. den Geräten wird der Eindruck einer realen Umgebung vermittelt. Sie reagieren und funktionieren dann ebenso, wie auf dem echten Schiff. Bei anderen Simulatoren werden diese Elemente stattdessen mittels Software lediglich virtuell dargestellt. „Der Vorteil für den Kunden liegt bei dem stimulierten System darin, dass wirklich alle Knöpfe und Menüs dem Original entsprechen. Die meisten Simulatoren sind generisch, das heißt für verschiedene Schiffstypen anwendbar. Dieser ist jedoch schiffsspezifisch in Funktion und Layout auf Aida ausgelegt“, erklärt Stefan Vogelsang, der seit 1992 im Defence-Geschäftsbereich Simulation und Training arbeitet und das Projekt als Technischer Verantwortlicher betreut hat.

Den letzten Teil des ursprünglichen Auftrags hat das Bremer Projektteam im November 2013 erfüllt: die Anbindung des Maschinensimulators von Siemens an die Simulationstechnik aus Bremen. „Wir hatten Siemens im Vorfeld einen vorbereiteten Laptop zur Verfügung gestellt, um die Schnittstellen mit unserem System zu testen. Das war sehr wertvoll“, ist sich Verena Kampe sicher. Nachdem die Maschine und die Brücke des Simulators miteinander vernetzt sind, können sie die AIDAblu vollständig abbilden. Probleme mit der Schiffsmaschine werden unmittelbar auf der Schiffsbrücke sichtbar und fordern eine Reaktion vom Trainingsteilnehmer.

Für die Zukunft plant Aida eine Weiterentwicklung und Vergrößerung seiner Flotte und damit auch des Simulator-Systems. Konkret geht es um zwei Exemplare der neuen Aida-Schiffsgeneration. Die Auslieferung des ersten Neubaus ist für das Frühjahr 2015 geplant. Der Name ist auch bereits bekannt: Die „AIDAprima“ soll das neue Flaggschiff der Reederei werden.

Rheinmetall hat in diesem Kontext Anfang dieses Jahres einen Folgeauftrag für ein Wechselpanel mit anderen Bediengeräten erhalten, die zu den neuen Aida-Schiffen passen. Dabei werden bestimmte, schiffsspezifische Komponenten ausgetauscht. Zukünftig können – und sollen – somit auch die Kapitäne der AIDAprima die Ausbildung am Simulator durchlaufen. Dies spricht für seine Qualität.

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