Neuer Puma-Schützenpanzer löst Vorgänger Marder sukzessive ab

Hochmobil mit modularem Schutzkonzept

Der Beginn der Serienfertigung des hochmodern konzipierten Fahrzeuges PUMA steht jetzt bevor. Die militärische Anforderungen wie hoher Schutz, Durchsetzungsfähigkeit, Mobilität und Führungsfähigkeit werden in geradezu idealer Weise verknüpft und so zu einem hochmodernen Ersatz für seinen mittlerweile in die Jahre gekommenen Vorgänger, den Schützenpanzer.

Im Juli 2009 konnte Rheinmetall den bis dahin größten Einzelauftrag in seiner fast 125-jährigen Geschichte vermelden: Die Bundeswehr bestellte bei der Projekt System & Management (PSM) GmbH, einem Tochterunternehmen des Düsseldorfer Konzerns, mehr als 400 hochmoderne Schützenpanzer vom Typ „Puma“.

Ursprünglich sollte ein ganz anderes Fahrzeug den in die Jahre gekommenen Schützenpanzer (SPz) Marder ersetzen: der Marder 2. Der Bund hatte Ende der 1980er Jahre die damalige Firma Krauss-Maffei mit der Fertigung eines Gesamtsystem-Versuchsträgers beauftragt, der im September 1991 vorgestellt wurde. Rheinmetall war – wie beim Schützenpanzer Marder – über die Bewaffnung maßgeblich an diesem Projekt beteiligt: Der Prototyp erhielt eine Kanone, bei der ein rascher Rohr- und Kaliberwechsel von 35 auf 50 mm möglich war. Die militärisch-technische Erprobung bei der Kampftruppenschule Munster verlief durchaus zufriedenstellend. Dennoch wurde der Marder 2 im Zuge veränderter politischer Rahmendbedingungen 1992 aus dem Bundeswehrplan gestrichen. Stattdessen wurde der SPz Marder 1 mehrfach kampfwertgesteigert – natürlich auch unter wesentlicher Beteiligung Rheinmetalls. Der Marder 2-Prototyp dagegen kam ins Museum.

Zehn Jahre später wurde das Projekt „neuer Schützenpanzer“ reaktiviert. Die Forderungen dabei: maximaler Schutz der Fahrzeugbesatzung, Luftverlastbarkeit sowie die schnelle Aufrüstung und Austauschbarkeit elementarer Systeme. Diese konnte nur ein ganz neues Fahrzeug erfüllen. Das Schutzkonzept des Puma ist modular. In der Konfigurationsstufe A wiegt der Schützenpanzer 31,45 Tonnen. Dieses Gewicht ist auf das neue Transportflugzeug der Bundeswehr, den A400M, abgestimmt. In der Gefechtsvariante, also der Stufe C, werden zusätzliche Schutzaufbauten und Schutzmodule angebracht, womit das gesamte Bedrohungsspektrum abgedeckt ist, von Minen über IED bis hin zu ABC-Waffen. Ferner verfügt der Puma über eine hochmoderne Brandunterdrückungsanlage für den Mannschaftsraum; diese erkennt und löscht Feuer innerhalb von Hundertstelsekunden und bewahrt die Mannschaft so vor Schlimmerem.

Die Hauptwaffe des Fahrzeugs ist die von Rheinmetall entwickelte Maschinenkanone MK30-2/ABM. Die Waffe ist im Gegensatz zum Marder voll stabilisiert und hat ein Kaliber von 30 Millimetern, während es beim Marder nur 20 Millimeter waren. Dadurch erhöht sich die Kampfreichweite und die Wirkung im Ziel wird verbessert. Im Turm des Panzers befindet sich zudem keine Besatzung mehr; die Waffe wird ferngesteuert. Als Sekundärbewaffnung dient das MG 4 von Heckler & Koch. Die Bewaffnungsforderung des Bundes wurde 2008 noch einmal erweitert. Hinzu kam der Lenkflugkörper Spike der Eurospike GmbH, einer 40-Prozent-Beteiligung von Rheinmetall.

Für Dr. Björn Bernhard, der neben Rainer Huth (KMW), die Geschäfte der PSM GmbH führt, zählt der Puma klar zur Weltspitze unter den Schützenpanzern: „Mit 1088 PS hat der Puma im Vergleich zu anderen Schützenpanzern natürlich die stärkste Motorisierung. Außerdem bietet er einen herausragenden Schutz, bei dem sich sogar mancher Kampfpanzer noch eine Scheibe abschneiden könnte. Auch hinsichtlich der so genannten Erstschusstreffer-Wahrscheinlichkeit bewegen wir uns auf Kampfpanzerniveau. Das ist bislang absolut unerreicht.“

Bis heute sind neun Schützenpanzer zur Erprobung und Nachweisführung gebaut worden. Die Einsatzprüfung in den Bereichen Taktik und Logistik (Teil 1) ist abgeschlossen. Nach der erfolgreichen Klimaerprobung in Norwegen wurden im Spätsommer 2013 zwei Puma mit einer Antonow von Leipzig aus nach Abu Dhabi geflogen; dort stand die Sommererprobung an, die insgesamt mehr als zwei Monate dauerte und in verschiedenen Phasen verlief. Zunächst stellte der Puma die Treffgenauigkeit seiner Haupt- und Sekundärwaffe unter Beweis. Getestet wurden die Waffen im Stand und aus der Fahrt sowie bei Tag und Nacht. Die extremen Temperaturen auf dem modernen Schießplatz im Nordwesten der VAE lagen dabei zwischen 35 und 50 Grad Celsius im Schatten.

Die Experten der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 41 konnten ihre Erprobungsprogramme erfolgreich „durchschießen“. Somit überzeugte sich der Bedarfsträger selbst davon, dass der Puma seine Aufgabe auch unter diesen Rahmenbedingungen präzise erledigt. Zudem belegte die Klimaanlage, die wochenlang unter hohen Temperaturen in Betrieb war, ihre Leistungsfähigkeit in zahlreichen Messreihen und im täglichen Einsatz. Dies bewerteten die Beteiligten ebenso positiv wie das Multifunktionale Selbstschutzsystem (MUSS).

An zwei weiteren Erprobungsorten im Norden und Nordosten der Vereinigten Arabischen Emirate demonstrierte der SPz Puma seine Mobilität; für diesen Erprobungsteil waren die Experten von der WTD 41 verantwortlich. Der Puma überwand verschiedenste Geländeabschnitte wie Sanddünen, steile Schotterpisten oder Geröllwüsten im Wadi mit großer Ausdauer und ohne Schäden. Die Nachweisführung endete offiziell am 31. Oktober 2013. Auf der Basis aller Ergebnisse besteht der nächste wichtige Meilenstein dann in der Genehmigung zur Nutzung durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

Exportpotential für den Puma sieht Bernhard vor allem bei solchen Kunden, „die sich mit hochmoderner, zuverlässiger und zukunftsfähiger Technologie ausrüsten wollen – Technik, die natürlich auch ihren Preis hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Puma beispielsweise für Staaten wie Australien oder einige unserer europäischen Nachbarländer attraktiv ist.“ In Australien existiert ein Beschaffungsvorhaben für Gefechtsfahrzeuge, das die PSM optimistisch stimmt, außerdem kommen weitere potenzielle Kunden in einigen Staaten im mittleren Osten in Betracht.

Produktionstechnisch schafft die Rheinmetall Landsysteme GmbH gerade die Voraussetzungen für die Serienfertigung des Puma am Standort Unterlüß. In der niedersächsischen Südheide entsteht eine neue Halle, die mit 5500 Quadratmetern künftig die größte auf dem Werksgelände sein wird. Von 2014 an sollen pro Jahr 20 bis 25 Puma-Schützenpanzer das Werk in Unterlüß verlassen.

  • Rheinmetall AG

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    Oliver Hoffmann
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