Ein Paradies nicht nur für Marder, Puma und Leo

Bedeutender Naturraum: das Rheinmetall-Erprobungsgelände in der Lüneburger Heide

„Deutschland wird wilder“, lautete eine SPIEGELHeadline vom vergangenen Januar. Das Nachrichtenmagazin berichtete über die Rückkehr von Wolf, Luchs und Biber nach Deutschland. Zurückzuführen sei das auf die großangelegten Naturschutzprogramme, heißt es in dem Artikel.

Ein Naturschutzprogramm von besonders großer Dimension ist auf dem Erprobungsgelände Fojana der Rheinmetall Waffe Munition GmbH in der Lüneburger Heide verwirklicht worden. Fojana ist ein Akronym für Forst, Jagd und Naturschutz und steht für ein Naturparadies, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Das 5.500 Hektar große Kleinod in der Nähe von Unterlüß wird von Rheinmetall nach den strengen Regeln des integrierten Naturschutzes betrieben.

Innovative Entwicklungen von Waffen, Fahrzeugen oder Munition müssen intensiv erprobt werden. Das ist im dicht besiedelten Deutschland oft schwierig. Zu störend und zu gefährlich sind die Tests wehrtechnischer Produkte für Menschen. Schon vor über 100 Jahren hat Rheinmetall daher in der Lüneburger Heide ein Sperrgebiet eingerichtet, in das kein Unbefugter seinen Fuß setzen darf. Das Testgelände ist daher seit Jahrzehnten ein ideales „Jagdrevier“ für gepanzerte Bundeswehrfahrzeuge wie Leopard und Marder sowie neuerdings auch für den Puma. Der positive Nebeneffekt: Die Natur kann sich ungestört entfalten bzw. wird gezielt naturschutzgerecht gestaltet. Neben Kanonendonner hört man auf dem firmeneigenen Gelände verstärkt das Gezwitscher seltener Vogelarten oder Brunftgeschrei von Hirschen.

Schießbahn als Schutzgebiet

„Gelegentlicher Kanonendonner stört die Tiere kaum“, weiß Naturexperte Theo Grüntjens. Der Diplom- Forstingenieur betreut seit über 30 Jahren den Naturschutz und die Forstwirtschaft in Fojana. „Unsere 800 Meter breite und 15 Kilometer lange Schießbahn zählt sogar zu den Kernelementen unser Schutzgebiete“, so der Leiter der Rheinmetall-Forstverwaltung. Die Schneise durch große Waldgebiete ist zu einer wertvollen Kulturlandschaft geworden, auf der vorwiegend die Besenheide (Calluna vulgaris) wächst, die der Lüneburger Heide einst ihren Namen gab.

Heide ist eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Überließe man sie sich selbst, würde in wenigen Jahrzehnten ein Birken- und Kiefernwald heranwachsen. Rheinmetall benötigt aber freie Schussbahn, um das Gelände für die Unternehmensziele nutzen zu können. Daher kommen auf dem Heidegelände über 1.000 Heidschnucken zum Einsatz und regelmäßig im Winter wird Feuer gelegt. Nicht überall gleichzeitig, sondern Jahr für Jahr auf einem anderen Stück. Das Feuer zerstört alles, was dem Heidekraut den Lebensraum nimmt. Insekten werden aber verschont. Theo Grüntjens: „Unsere aktive Landschaftspflege hat dazu geführt, dass sich hier tausende Insekten wohlfühlen; fast 1.220 Schmetterlingsarten haben sich angesiedelt und rund 700 Bienenvölker suchen während der Heideblüte nach Nektar.“

Außergewöhnliche Artenvielfalt

Wo viele Insekten sind, finden auch Vögel ausreichend Nahrung. Eine Vielzahl von gefährdeten Vogelarten hat auf dem Rheinmetall-Gelände eine Heimat gefunden. Sogar Adler, Habichte und Uhus sowie der selten gewordene Charaktervogel der Lüneburger Heide, das Birkhuhn, sind fester Bestandteil der Fauna im Erprobungsgelände. Beachtlich ist auch die Zahl der Wirbeltiere auf dem Erprobungsgelände, das zum größten Teil nicht aus Heide, sondern aus Wald besteht: Rotwild, Rehwild, Schwarzwild sowie Hasen und Kaninchen, aber auch Füchse, Dachse, Marderhunde, sogar Fischotter, und Fledermäuse. „Die Artenvielfalt ist geradezu paradiesisch. Viele der Arten galten in hiesigen Breitengraden bereits als ausgestorben“, freut sich Theo Grüntjens über die Ergebnisse der Arbeit seines Teams. Besonders stolz ist Grüntjens über den heimisch gewordenen Wolf, belegt doch die Anwesenheit des menschenscheuen Tiers, dass das anspruchsvolle Konzept der Rheinmetall-Förster aufgeht.

Jäger sorgen für natürliches Gleichgewicht

Jedes Jahr im November sind drei Tage für die Großjagd reserviert. Das ist kein Widerspruch zum Naturschutz. Die Jäger sorgen für das Gleichgewicht der Arten. Darüber hinaus könnte sich bei einem zu großen Wildbestand kein gesunder Wald entwickeln. Positiver Nebeneffekt: Die Jagd auf Rotwild, Schwarzwild und Rehe liefert pro Jahr acht bis zehn Tonnen leckeres Wildbret. Eine Erfolgsgeschichte ist auch die nachhaltige Forstwirtschaft, die trotz strenger Naturschutzregeln schwarze Zahlen schreibt. Pro Jahr werden rund 16.000 Kubikmeter Holz geliefert, ein Großteil für die Bauwirtschaft. Die Grundlage soll weiter verbessert werden. Der Wald wird seit zehn Jahren umgebaut. Zwischen den Kiefern halten Birken, Buchen, Eichen und Douglasien Einzug. Theo Grüntjens: „Mischwald ist weniger anfällig für Sturmschäden und schädliche Umwelteinflüsse. Damit ist Fojana als einzigartiger und zugleich vielfältiger Lebensraum für viele weitere Jahrzehnte gesichert.“

Das Rheinmetall-Erprobungsgelände Fojana ist 17 Kilometer lang sowie durchschnittlich drei - fünf Kilometer breit. Kernelement ist die 800 Meter breite und 15 Kilometer lange Schießbahn, die von einem zusammenhängenden Waldgebiet (3.400 Hektar) umrahmt wird. Drei Bäche entspringen im von der letzten Eiszeit geprägten Gelände. Darüber hinaus gibt es Seen, Teiche und Moore. 420 Hektar werden naturverträglich landwirtschaftlich genutzt: Hier weiden fast das ganz Jahr über Black-Angus- und Galloway- Rinder. Allgemein zugänglich ist das Rheinmetall-Sperrgebiet nur im Norden, in der Ellerndorfer Heide – ein Naherholungsgebiet für Jedermann.

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