Rheinmetall-Entwicklungsschwerpunkt Effektoren: Vom Maschinengewehr bis zur Hochenergielaserwaffe

Wirkung geht vor Deckung – erst recht in den heutigen Einsatzgebieten! Um sich effektiv schützen zu können, kommt es für unsere Soldaten mehr denn je darauf an, potentielle Bedrohungen nicht nur früher zu entdecken, zu erkennen und zu identifizieren, sondern auch mit hoher Präzision und adäquater Intensität zu neutralisieren. Rheinmetall widmet daher bei Forschung und Entwicklung ein Hauptaugenmerk dem Bereich der Effektoren. Das ganze Spektrum steht dabei im Fokus – vom Maschinengewehr bis hin zur Hochenergielaserwaffe.

Maschinengewehre

MG3KWS

Rheinmetall hat für sein bewährtes Maschinengewehr MG3 einen Kampfwertsteigerungssatz entwickelt. Mil-Std 1913-Schinen oben und seitlich am Gehäuse ermöglichen es, die Waffe mit allen gängigen Optiken und Optroniken zu nutzen. Eine längen- und höhenverstellbare Schulterstütze mit integriertem Puffer und Erdsporn, ein kombinierter Trage- und Sturmgriff, ein höhenverstellbares Zweibein, ein überarbeitete Sicherung und ein neuer Tragegurt erhöhen die Ergonomie für den abgesessenen Einsatz signifikant. Ebenso kann das Gehäuse mit einer tarnfarbigen Beschichtung versehen werden. Noch in Entwicklung befinden sich ein im Griffstück integrierter Schusszähler, der die Belastung der Waffe dokumentiert, ein optionales Griffstück mit Einzel- und Dauerfeuerfunktion, die Möglichkeit, die Waffe in allen Ladezuständen zu sichern sowie eine Verstellmöglichkeit, um die Kadenz von 1200 auf 800 Schuss pro Minute zu drosseln. Das Upgrade-Kit lässt sich im Rahmen regulärer Instandsetzungsarbeiten nachrüsten.

MG3KWS - Maschinengewehr MG3 mit Kampfwertsteigerungssatz

MG3KWS - Maschinengewehr MG3 mit Kampfwertsteigerungssatz

RMG7.62

Das in Entwicklung befindliche RMG7.62 ist eine fremdangetriebene, weitgehend gegen Umwelteinflüsse gekapselte Waffe im Kaliber 7,62 mm x 51 mm. Alle zum fernbedienten Betrieb notwendigen Komponenten befinden sich in oder an der Waffe. Richtgrößen der Konstruktion sind hohe Zuverlässigkeit, Systemsicherheit und einfache sichere Handhabbarkeit. Dank der Integration sämtlicher Fernbedienungsfunktionen und der Waffenwiege lässt sich das RMG 7.62 schnell in eine Vielzahl von Plattformen einrüsten. Mit dem RMG7.62 kann NATO Standardmunition mit den MG3 Standardlinks verschossen werden. Neu ist die fernbedienbare Rohrwechseleinrichtung mit drei Rohren in einem Bündel: Ist ein Rohr heißgeschossen, wird elektrisch das Rohrbündel gedreht und so der bislang manuelle Rohrwechsel elektrisch, unter Schutz realisiert und ein kühles Rohr in weniger als 5 Sekunden in Feuerstellung gebracht. Nanobeschichtungen und Hochleistungsmaterialien sorgen für eine lange Lebensdauer. Die Waffe ist komplett ITAR frei. Die Kadenz der Waffe lässt sich auf bis zu 800 Schuss pro Minute einstellen. Aufgrund des großen Munitionsvorrates an der Waffe, der hohen Kadenz und des automatischen Laufwechsels eignet sich das RMG7.62 als Effektor für Waffenstationen oder als Koaxial-MG für Kampf- und Schützenpanzer. Die Waffe entsteht in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Es soll nach derzeitiger Planung voraussichtlich 2016 verfügbar sein – auch auf dem internationalen Markt.

RMG.50

Wird ein schweres MG auf der Waffenstation benötigt, bietet Rheinmetall hierfür das RMG50 im Kaliber 12,7mm x 99 an. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine fremdangetriebene Waffe. Moderne Materialien, Nano-Beschichtungen, die gekapselte Konstruktion und ein schwerer, verchromter Lauf sorgen für hohe Funktionssicherheit und eine lange Lebensdauer. Mit leistungsgesteigerter Munition kommt das RMG50 auf Reichweiten von bis zu 1800 Metern und deutlich höhere Durchschlagsleistungen. Länge der Feuerstöße und Kadenz (bis zu 600 Schuss/Minute) lassen sich nach Kundenbedarf einstellen. Ein optionaler „sniper mode“, in dem die Waffe im aufschießenden Modus schießt, ist für präzise Schüsse verfügbar. Die Waffe lässt sich auch abgesessen einsetzen.

Das RMG.50 fällt im Vergleich des Systemgewichtes (fernbedient) zu anderen schweren Maschinengewehren wie dem M2 deutlich leichter aus. Die Prototypen des RMG.50 befinden sich derzeit in intensiven Erprobungen. Diese Waffe wird für die Serie mit der Bundeswehr getestet und qualifiziert. Die Waffe wird ebenfalls komplett ITAR frei sein. Der Start der Serienproduktion ist für 2015 vorgesehen.

Mittelkaliber-Maschinenkanonen

BK27

Die nach wie vor in den ehemaligen Mauserwerken in Oberndorf gefertigte Bordkanone 27mm gehört zu den berühmtesten Rheinmetall-Produkten. Die seit rund 35 Jahren gefertigte Gasdrucklader-Revolverkanone ist „die Trommelwaffe“ aus Deutschland. Sie ermöglichte dem Unternehmen den Zutritt in den Bereich der fliegenden Systeme. So dient die BK27 in den Luftstreitkräften von zwölf Nationen unter anderem als Standardbewaffnung für die Kampfflugzeuge Tornado, Gripen und Eurofighter – sowohl mit Gurtglied als auch mit gurtgliedloser Munitionszuführung. Die Schussfolge liegt bei 1700 Schuss pro Minute, die Reichweite bei bis zu 4000 Metern. Rheinmetall bietet für die BK27 neuerdings ein Adaptionskit für den Gripen NG (Next Generation) an. Die BK27 dient auch als Effektor für das Marineleichtgeschütz 27 mm (MLG27).

MK30-2 und MK30-2/ABM

Die Maschinenkanone MK30-2 im Kaliber 30mm x 173 ist eine gasangetriebene Waffe mit hoher Kadenz von 600 Schuss pro Minute und einer Reichweite von 3000 Metern. Sie ist auf hohe Schussbelastungen und Lebensdauer ausgelegt. In der Variante ABM („Air Burst Munition“) kann sie Munition mit programmierbarem Luftsprengpunkt verschießen. Dabei wird jedes ABM-Projektil in der Mündungsbremse programmiert. Die MK30-2 eignet sich besonders für Schützenpanzer. So dient sie als Hauptbewaffnung des spanischen ASCOD und des österreichischen Ulan. Die MK30-2 ABM ist für den deutschen Schützenpanzer Puma qualifiziert und eine der am gründlichsten erprobten Mittelkaliberkanonen. In Rheinmetalls modernem modularen Mittelkaliberturm „Lance“ wird die MK30-2 ABM in den Radschützenpanzern Piranha III der spanischen Marineinfanterie verwendet. Derzeit wird diese Waffe für Flugabwehraufgaben kadenzoffen für die brasilianischen Streitkräfte in eine UT30BR Turmbasis integriert. Rheinmetall hat weiterhin den Lance-Turm mit MK30-2/ABM erfolgreich in seinen Radschützenpanzer Boxer integriert.

Wotan 30 ABM

Gegenwärtig entwickelt Rheinmetall seine 30-mm-Maschinenkanone Wotan. Sie ermöglicht dank ihres Fremdantriebs eine vollständige Feuer- und Ladezykluskontrolle. Die Kadenz liegt bei 200 Schuss pro Minute. Wie die MK30-2 ABM kann die Waffe Munition mit Luftsprengpunkt verschießen. Die Wotan30 ABM ist besonders wartungsfreundlich, benötigt keine Sonderwerkzeuge und wird mittels spezieller Nano-Beschichtungen und entsprechender konstruktiver Gestaltung deutlich geringere Life Cycle Costs aufweisen. Die Waffe selbst zeichnet sich zudem durch eine hohe Treffgenauigkeit und geringen Störanfälligkeit aus. Wegen ihrer kompakten Ausmaße und der integrierten Waffenwiege lässt sich die Wotan 30 einfach in Türme oder schwere Waffenstationen integrieren. Die ITAR-freie Waffe eignet sich auch für Marineanwendungen. Prototypen der Waffe existieren bereits und wurden erstmals auf dem Rheimetall Medium Calibre Day 2012 im scharfen Schuss vorgeführt.

Oerlikon Revolver Gun MK2

Auf dem Rheinmetall Medium Calibre Day 2013 feierte das Oerlikon Revolver Gun Mk2 Premiere, eines der jüngsten Entwicklungsprojekte Rheinmetalls. Die voll ferngesteuerte und netzwerkfähige Flugabwehrkanone im Kaliber 35mm x 228 verfügt über eine gurtgliedlose Munitionszuführung. Zwei Mann können den Schussvorrat von 252 Patronen über Ladestreifen in rund acht Minuten aufmunitionieren. Das ermöglicht 14 Feuerstöße zu je 18 Schuss. Die Kadenz liegt bei 1.000 Schuss/Minute. Die Mk2 kann Munition mit Rheinmetalls AHEAD-Technologie, also programmierbarem Luftsprengpunkt, verschießen. Diese Technologie ist auch bei dem kanonenbasierten Flugabwehrsystem MANTIS der Bundeswehr im Einsatz.

40mm Granatwerfer Cerberus und Hydra

Rheinmetalls umfangreiche 40-mm-Munitionspalette sowohl in 40 mm x 46 (Low Velocity/LV und Medium Velocity/MV) als auch in 40 mm x 53 High Velocity (HV) deckt alle Einsatzintensitäten ab. In Entwicklung befinden sich eine 40mm x 46 „Long Range (LR)“ sowie eine 40mm x 46 „Magnum“. Rheinmetall entwickelt darüber hinaus den Granatwerfer Cerberus und den Automatischen Granatwerfer Hydra. Beide verfügen über Hydraulikdämpfungen, die die beim Abschuss entstehenden Rückstoßkräfte auf das Niveau der LV-Munition senken. Damit eignen sich sich sowohl zum Verschuss von LV, LR, MV und Magnum-Granaten. Der Einzellader Cerberus lässt sich als Anbau- oder als Stand-Alone-Werfer nutzen. Der Magazingeladene Hydra kann Einzel- und Drei-Schuss-Feuerstöße verschießen.

Großkaliber-Glattrohrkanonen

L47 LLR

Als schwere, wirkungsvolle Hauptbewaffnung für leichtere Gefechtsfahrzeuge wie Radpanzer entwickelt Rheinmetall derzeit seine 120 mm-Kanone Light Low Recoil (LLR) L47. Der optimierte Lauf, die Verwendung neuer Werkstoffe, das Rückstoßpuffersystem und die integrierte Waffenwiege senken Gewicht und Rückstoßkräfte – bei hoher Präzision und Wirksamkeit der 120-mm-Panzermunition. In die Entwicklung der LL47 LLR fließen die Erfahrungen mit Rheinmetalls weltbekannter und kampferprobter 120-mm-Glattrohrkanone ein.

L44 und L55

Die L44 ist weltweit im Einsatz bewährt, auch unter extremsten klimatischen Bedingungen. Sie dient bis heute als Hauptbewaffnung der Kampfpanzer Leopard2 und M1 Abrams sowie des japanischen Pz90 und des italienischen Ariete. Ebenso lässt sie sich in andere Kampfpanzertypen integrieren. Die L44 zeichnet sich durch hohe Reichweiten, Präzision für Erstschusstrefferwahrscheinlichkeit und lange Lebensdauer aus. Gleiches gilt für das Folgemodell, die längere L55, die auf eine noch deutlich höhere Leistungswirksamkeit kommt. Sie dient als Hauptbewaffnung der Leopard-2-Kampfpanzer in Deutschland, Spanien, Griechenland und Katar. Sie ist ebenso für den Abrams M1A1 qualifiziert.

Alle 120-mm-Kanonen von Rheinmetall lassen sich durch einfach zu integrierende Upgrade-Kits zum Verschuss von programmierbarer Munition kampfwertsteigern.

Laser-Aktivitäten

Rheinmetall gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet der Laserwaffenentwicklung. Gerade Hochenergielaser (HEL)-Waffen sind äußerst präzise, geräuschlos, verfügen über eine enorme Reichweite, starke Wirkung, sind rückstoßlos, haben einen unbegrenzten Schussvorrat und lassen sich hinsichtlich ihrer Intensität skalieren. Damit eignen sie sich hervorragend zur Abwehr gegen eine Vielzahl der in heutigen konventionellen und asymmetrischen Konflikten vorkommenden Bedrohungen.

50kW-HEL-Waffentechnologiedemonstrator

50kW-HEL-Waffentechnologiedemonstrator

Ende 2012 testete Rheinmetall seinen 50kW-HEL-Waffentechnologiedemonstrator in der vollständigen Wirkkette „Zieldetektion, Zielverfolgung und Zielbekämpfung“ erfolgreich. Dabei wurde unter anderem ein ballistisch fliegendes Kleinziel von 82 Millimeter Durchmesser erfolgreich aufgeklärt, getracked und neutralisiert.

Auch Waffenplattformen mit integrierten Rohr- und Laserwaffen sind machbar. So kombinierte Rheinmetall ein MLG27 mit einem HEL-Waffentechnologiedemonstrator – und realisierte damit erstmals eine duale Rohr-Laserwaffe. Sie wies in zahlreichen Tests ihr Fähigkeiten bezüglich Tracken und Bekämpfen nach.

Darüber hinaus entwickelt Rheinmetall weitere Konzepte, HEL-Waffen an Bord von Marineeinheiten einzusetzen. Solche Effektoren ließen sich in das Führungs- und Waffeneinsatzsystem der Einheit einbinden, um mit der Sensorik, der Zielbewertungshard- und software und dem Grobtracking der übrigen Bewaffnung zu korrespondieren. Aufgrund der unproblematischeren Energieversorgung auf Schiffen erscheinen Stärken von 100kW realistisch. Bei einem Gesamtgewicht von unter drei Tonnen und einem Platzbedarf von etwa 12,5 Kubikmetern insgesamt könnte eine Hochenergielaserwaffe auf Wirkreichweiten von bis zu zehn Kilometern kommen.

Als nächste Schritte plant Rheinmetall eigenfinanziert den Aufbau eines Technologiedemonstrators mit 60kW und mehr Strahlleistung. Neben Laser-Waffenstationen sollen dabei parallel u.a. 35mm-AHEAD-Revolvergeschütze einbezogen werden. So sollen mögliche Synergien von Laser- und Rohrwaffen untersucht und aufgezeigt werden.

Darüber hinaus wird das Konzept einer mobilen HEL-Waffe, welches 2011 mit einem 1kW-Funktionsmuster auf einem Sonderfahrzeug TM170 erfolgreich umgesetzt wurde, auf eine fahrende Plattform weiterverfolgt. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für die Integration einer HEL-Waffe auf Fahrzeuge im freien Feld zu untersuchen.

  • Rheinmetall AG

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