Pressestimmen: Vielseitige Systeme für eine vielseitige Pioniertruppe

Zu den Aufgaben der Pioniertruppe zählen das Fördern der Bewegungen und das Erhöhen der Überlebensfähigkeit eigener sowie das Hemmen und Kanalisieren feindlicher Kräfte. Um diesen vielfältigen Anforderungen gerecht werden zu können, ist die Pioniertruppe auf vielseitig einsetzbares Gerät angewiesen. Rheinmetall steht hier als kompetenter Partner parat.

Mit dem Pionierpanzer „Kodiak“, dem „Route Clearance System“ sowie dem „Transportpanzer Fuchs Kampfmittelaufklärung und -identifizierung (KAI)“ bietet Rheinmetall veritable Kampfkraftmultiplikatoren für die Pioniertruppe an.

Pionierpanzer "Kodiak"

Erst zu Beginn dieses Jahrtausends begann das Projekt eines Pionierpanzers der neuesten Generation auf Basis des Leopard 2. Dieses Armoured Engineer Vehicle 3 (AEV3) – Rheinmetall-Bezeichnung „Kodiak“ – ist derzeit der einzige neu entwickelte und in Nutzung befindliche Pionierpanzer mit eigenem Anti-Minen-Schutzkonzept auf Leopard-2-Basis. Der Kodiak gehört zu den Bewerbern für den neuen Pionierpanzer der Bundeswehr.

Der Kodiak folgt dem „Mittenkonzept“: Anders als bei umgebauten Bergepanzern befindet sich der Ausleger nicht an einer Fahrzeugseite, sondern in der Fahrzeugmitte. Das bietet den großen Vorteil, dass die Besatzung bei Arbeiten mit dem Ausleger den besseren Überblick behalten kann und das Fahrzeug auch in Engstellen besser einsetzbar ist. Der Kodiak fällt in die militärische Lastenklasse 70 Tonnen (MLC 70). Das minengeschützte Leopard-2-Fahrgestell und das 1.100 kW starke Dieselaggregat bieten hervorragende Mobilität.

Der Kodiak zeichnet sich durch einen leistungsstarken Knickarmbagger mit einem Schaufelvolumen von einem Kubikmeter aus. Damit ist er in der Lage, pro Stunde rund 200 Kubikmeter Erdreich zu bewegen. Weiterhin kann er Lasten von rund 3,5 Tonnen mit seinem Ausleger anheben. Über eine Schnellwechseleinrichtung kann zusätzliches pionierspezifisches und handelsübliches Werkzeug angebracht werden, etwa ein Universalgreifer oder ein Betonzertrümmerer.

Weiterhin verfügt der Kodiak über einen 1,11 Meter hohen und von 3,42 auf 4,02 Meter Breite erweiterbaren Räumschild mit Schnitt- und Neigungswinkelverstellung. Bei Bedarf lässt sich dieses durch einen Minenpflug des Fabrikats „Pearson“ ersetzen. Die Minenräumausstattung wird durch das Pearson Minengassenmarkiersystem „LMS“ mit 50 Markierungsstäben pro Seite ergänzt. Ebenso ist eine Schnittstelle zu dem Minenstörsystem Demeter-2 vorhanden. Optional lässt sich zudem das Minengassensprengsystem PMBS Plofadder einrüsten. Sämtliche Wechselwerkzeuge oder Minenräumsysteme lassen sich auf Multi-Hakenlift-Wechselpaletten verlasten.

Der Kodiak ist weiterhin mit einer vielseitig einsetzbare Doppelwindenanlage mit zwei 9-Tonnen- Spillwinden ausgestattet. Ein Hilfsaggregat (Auxiliary Power Unit) liefert zudem bei Bedarf 4,2 Kilowatt Strom. Zum Selbstschutz verfügt das Fahrzeug über eine ferngesteuerte Waffenstation und eine Nebelmittelwurfanlage.

Sechs Kameras an Ausleger, Räumschild und an Front- und Heckseite gewähren der zwei- bis drei Mann starken Crew die Sicht um das Fahrzeug herum und erlauben es, den Werkzeugwechsel und alle pionierspezifischen Aufgaben unter Panzerschutz durchzuführen.

Somit kann der Kodiak unter anderem Minensperren durchbrechen, Feldbefestigungen ausheben sowie künstliche Hindernisse anlegen oder beseitigen. Neben den militärischen Einsätzen ist er aufgrund seiner Ausstattung darüber hinaus in der Lage, vielseitige Unterstützung im Katastrophenschutz oder im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit zu leisten.

Rheinmetall vertreibt und fertigt den Kodiak in einem Konsortium gemeinsam mit RUAG Defence, dem strategischen Technologiepartner der Schweizer Armee. Neben der Schweizer Armee sind das schwedische und niederländische Heer weitere Nutzer, die ihre eingeführten Kampfpanzer Leopard 2 sowie die ebenfalls von Rheinmetall gelieferten Bergepanzer 3 um den Pionierpanzer Kodiak ergänzen. Auch ein vierter Nutzerstaat rüstete seine Pioniertruppe mit dem Kodiak aus.

"Route Clearance System (RCSys)" – Hightech im Systemverbund

Im Auftrag der Bundeswehr entwickelte Rheinmetall das „Route Clearance System“, ein technologisch zukunftsweisendes System zur Detektion von Minen und Sprengfallen. Es soll für eine höhere Effizienz beim Auffinden von Sprengkörpern im Boden sorgen und damit für mehr Sicherheit beim Befahren von häufig benutzten Routen beispielsweise bei Konvoifahrten. Bei dieser gefährlichen Aufgabe bieten u.a. ferngesteuerte Systeme den Vorteil, dass die Bedienmannschaften in geschützten Fahrzeugen außerhalb des Gefahrenbereichs verbleiben können.

Für die schweren Kampfmittelabwehrzüge wurden sieben Systeme als Teil des „German Route Clearing Packages (GRCP)“ an die Bundeswehr ausgeliefert. Ein Gesamtsystem besteht aus folgenden Fahrzeugen: dem Bedienertruppfahrzeug, dem Detektorfahrzeug, dem Manipulatorfahrzeug und den Transportfahrzeugen. Im Verbund werden diese für die ferngesteuerte Aufklärung und Räumung von Sprengfallen sowie dem Transport eingesetzt.

Das ferngesteuerte Detektorfahrzeug Wiesel, welches über einen neu entwickelten Dualsensor mit integriertem Bodendurchdringungsradar (Ground Penetration Radar) und Metalldetektor verfügt, übernimmt im Route Clearance System die Detektion von Minen und Sprengfallen auf dem zu untersuchenden Straßenabschnitt. Als mobile und hoch geschützte Kontrollzentrale kommt der Fuchs 1A8 zum Einsatz, welcher mit Bedienständen zur Fernsteuerung und Anzeige der Signale des Dualsensors ausgestattet ist.

Das getrennt beauftragte Manipulatorfahrzeug „Mini MineWolf“ übernimmt ferngesteuert die Beseitigung gefährlicher Sprengsätze. Dieses ca. 10 Tonnen schwere Fahrzeug kann den jeweiligen Anforderungen entsprechend mit Werkzeugen wie Manipulatorarm, Bodenfräse oder Raupenschild ausgerüstet werden. Über ein integriertes Videosystem wird dem Bedienpersonal an Bord des Bedienertruppfahrzeugs jederzeit ein direktes Lagebild übermittelt. Der MiniMinewolf ist bereits bei den eidgenössischen Streitkräften eingeführt.

Zum Transport der Fahrzeuge im Route Clearance System dienen Logistikfahrzeuge des Typs Multi FSA von Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV).

Fuchs 1A8 „Kampfmittelaufklärung und -identifizierung“ (KAI)

Für die Fähigkeit der zentimetergenauen Kampfmittelmanipulation entwickelte Rheinmetall einen hochpräzisen Manipulatorarm, der in den Transportpanzer Fuchs „Kampfmittelaufklärung und -identifizierung (KAI)“ integriert wurde. Mit einer Arbeitsreichweite von über zehn Metern und einer hohen Tragkraft lassen sich verdächtige Objekte in sicherem Abstand verifizieren und manipulieren.

Die Bundeswehr hat Ende 2012 sieben Transportpanzer Fuchs in der neuen Variante „KAI“ beauftragt. Diese laufen zwischen Oktober 2015 und Ende 2016 zu. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund 37 Mio Euro. Die Fahrzeuge ergänzen das „Route Clearance System“ der deutschen Streitkräfte zur Aufklärung und Beseitigung von Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IED) unter Panzerschutz. Denn Kampfmittelabwehrverfahren mit handgehaltenem Gerät sind personal- und zeitaufwändig und stellen ein hohes Gefahrenpotenzial für die eingesetzten Soldaten dar.

Der TPz Fuchs KAI ergänzt den schweren Kampfmittelräumzug der Bundeswehr und soll Gefahrenstellen aufklären, die vom Route Clearance System nicht erreicht werden. Weiterhin soll der TPz Fuchs KAI ein vom Kampfmittelräumzug unabhängig operierendes Kampfmittelaufklärungssystem sein, das Konvoi-begleitend Gefahrenstellen („Hot-Spots“) aufklärt.

Bei dem Trägerfahrzeug des KAI handelt es sich um die derzeit modernste Ausführung 1A8 des bewährten Transportpanzers Fuchs. Diese verfügt über einen hohen Minen- und IED-Schutz sowie über moderne Schutzelemente und Minenschutzsitze zur Entkoppelung der Besatzung vom Wannenboden. Hervorstehendes Merkmal der KAI-Variante ist der bereits erwähnte mehrgliedrige, hochpräzise Manipulatorarm mit über zehn Meter Arbeitsreichweite und hoher Tragkraft von 400 kg. Dieser ermöglicht es den Kampfmittelabwehrkräften, aus dem TPz Fuchs KAI heraus verdächtige Stellen abstandsfähig zu untersuchen und Kampfmittel sowie Sprengfallen präzise aufzuklären und zu identifizieren.

Der Manipulatorarm kann zwei „Tools“ aufnehmen. Hierzu zählt zunächst ein Dualsesnor. Dabei handelt es sich um die 80-cm-Variante des RCSys-Sensors. Mit diesem können verdächtige Stellen untersucht und festgestellt werden, ob ein IED vergraben wurde. Weiterhin gibt es eine Toolkamera. Mit diesem am Schwenkneigekopf angebrachtem Gerät lassen sich schwer einsehbare Stellen wie Entwässerungsrohre oder Bereiche hinter Mauern optisch aufklären, um feststellen zu können, ob beispielsweise eine Sprengfalle eingebracht wurde. Mit einem am Manipulatorarm adaptierbaren Schnellrettungssystem können zudem im Bedarfsfall Personen aus einem Gefahrenbereich evakuiert werden.

Quelle: Wehrtechnischer Report, Ausgabe 2/2015

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