19.06.2020

Schwerer Transporthubschrauber für die Bundeswehr

  • Weiterer Meilenstein bei Einführung der CH-53K: US Marine Corps erhält Simulator zur Ausbildung der Piloten
  • Rheinmetall verantwortet Simulation und Ausbildung in Deutschland
  • Deutsches Industrieteam für nahtlose Einführung der CH-53K bestens aufgestellt

Berlin, 19. Juni 2020 – Im Rahmen der Einführung des Sikorsky CH-53K „King Stallion“ in den USA ist ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht worden: Lockheed Martin hat den ersten Simulator an das US Marine Corps (USMC) übergeben. Mit Hilfe hochmoderner Technologie werden die Besatzungen des Helikopters ab sofort in einer realitätsgetreuen Umgebung auf die Einsatzverlegung vorbereitet.

Der Flugsimulator enthält eine vollwertige Cockpit-Umgebung für die beiden Piloten, eine Überwachungsstation für das Ausbildungspersonal sowie einen Raum zur Ausbildungsvor- und nachbereitung. Zudem ist er in der Lage, verschiedenste Umweltbedingungen und Einsatzszenarien zu simulieren. Somit ermöglicht der Simulator den Besatzungen, das volle Leistungsspektrum der CH-53K zu trainieren – etwa Flüge mit Außenlast und den Flug unter eingeschränkten Sichtbedingungen.

Auch für die Bundeswehr ist diese Entwicklung von großem Interesse. So nimmt Sikorsky mit der CH-53K an der gerade laufenden Ausschreibung zur Beschaffung des neuen Schweren Transporthubschraubers teil. Dazu hat das Unternehmen frühzeitig ein deutsches Kernteam aufgestellt, dem die namhaften Unternehmen Rheinmetall, MTU Aero Engines, Autoflug und Hydro Systems angehören. „Wir freuen uns, gemeinsam mit dem deutschen Industrieteam der Bundeswehr den schweren Transporthubschrauber CH-53K anbieten zu können“, sagte Beth Parcella, CH-53K International Business Development Director bei Sikorsky. "Unsere enge und etablierte Industriepartnerschaft ist der Schlüssel zum Erfolg des Programms. Wir sind zuversichtlich, dass die CH-53K einen erheblichen Mehrwert in Deutschland schaffen wird." Am US-Produktionsstandort von Sikorsky in Stratford, Connecticut, befinden sich aktuell 31 Maschinen in der Fertigung. Zum Zeitpunkt der ersten Lieferung an die Bundeswehr soll das USMC bereits 70 CH-53K im Einsatz haben.

Team überzeugt durch Erfahrung und langjährige Zusammenarbeit mit der Bundeswehr

Auch die MTU Aero Engines kann auf langjährig bestehende Beziehungen zur Bundeswehr verweisen. So ist MTU bereits für die Instandhaltung der T64-Triebwerke der bestehenden CH-53G-Flotte verantwortlich. Im laufenden Projekt hat MTU das Triebwerk der CH-53K gemeinsam mit General Electric entwickelt und ist für einen Projektanteil von 18 Prozent verantwortlich. Dabei hat die MTU die Entwicklungs- und Herstellverantwortung für die Nutzturbine und die zugehörigen Instandsetzungsvorschriften und -vorrichtungen.

„MTU steht für Zuverlässigkeit in langfristigen Partnerschaften“, sagt Wolfgang Gärtner, Programmleiter für Hubschraubertriebwerke bei der MTU Aero Engines. „Für das T408, das neu entwickelte Triebwerk der CH-53K, sind wir Programmpartner von GE Aviation. Daraus resultierendes Know-how und selbst entwickelte innovative Reparaturverfahren sind die Basis für unsere enge Zusammenarbeit mit dem militärischen Kunden. Seit Jahrzehnten besteht für viele Programme eine erfolgreiche Kooperation mit der Bundeswehr bei der Triebwerksinstandsetzung. Soldaten und MTU-Mechaniker arbeiten bei Wartungs- und Reparaturarbeiten Seite an Seite zusammen. Dies sichert die technische Kompetenz der Soldaten und erhält die Beurteilungsfähigkeit der Bundeswehr zur Triebwerks-technologie.“

Autoflug pflegt bereits seit der Gründung der Bundeswehr im Jahre 1955 eine enge Verbindung zu den Streitkräften und übernahm früh die Wartung wichtiger Rettungssysteme wie die der Schleudersitze der Kampfflugzeuge der Luftwaffe. Seit 2007 geschieht dies im Rahmen einer besonders engen Kooperation mit der Bundeswehr, die neben der Wartung der Schleudersitzanlage auch das Packen der Rettungsfallschirme und die Betreuung der Bremsfallschirme für den Eurofighter umfasst. Für die derzeit in Deutschland geflogene CH-53G entwickelt und fertigt Autoflug bereits heute Sicherheitssitze, um insbesondere die Sicherheit im Crashfall für die verbleibende Einsatzdauer nachhaltig zu verbessern. Die Sitzsysteme weisen zudem ein geringes Eigengewicht auf, sind extrem schnell ein- und auszurüsten, robust und wartungsfrei und bieten dem Insassen eine maximale Bewegungsfreiheit. All diese Forderungen werden so oder ähnlich auch für den Nachfolger bestehen, so dass eine Adaption in die CH-53K bereits von Beginn der Entwicklung an ins Auge gefasst wurde.

Zudem gibt es konkrete Überlegungen zur Einbindung von weiteren Autoflug-Komponenten in der Kabinenausstattung. Hierzu zählen neben umfangreichen Verstaulösungen auch MedEvac-Ausstattungen in Form von Krankentragesystemen und Modulen zur intensiv-medizinischen Betreuung von Verwundeten beim Transport. Aber auch das Thema Reichweitenerhöhung durch Zusatztanksysteme wurde bereits betrachtet. Autoflug ist es dabei besonders wichtig, dass am Ende die Soldaten die bestmögliche Lösung in den Belangen missionsgerechte Ausstattung, Flexibilität in der Nutzung, effektive Wartung und Instandsetzung sowie die höchstmögliche Sicherheit erhalten. „Die bereits von Beginn an angestrebte Ausweitung der möglichen Wertschöpfung in Deutschland, bietet uns und weiteren Unternehmen der wehrtechnischen Industrie in unserem Lande die Möglichkeit unsere Fähigkeiten nachhaltig einzubringen, Kapazitäten zu erhalten und weiter auszubauen“, so Alexander Bode, VP Sales bei Autoflug. “Dies stellt neben der wirtschaftlichen Komponente auch ein wichtiges Signal an die betroffene deutsche Industrie dar.“

Hydro arbeitet mit seinen weltweit rund 750 Mitarbeitern schon seit vielen Jahren mit der Bundeswehr zusammen. Der Mittelständler liefert beispielsweise Werkzeuge zur Wartung des aktuellen Transporthubschraubers CH-53G. Die Industriewerkzeuge finden sich nahezu in jedem Bundeswehr-Hangar sowie in den Einsatzgebieten, aber auch im Einsatz an jedem zivilen Flugzeug, wieder. Ein eingespieltes Team, vertraute Ansprechpartner, Abläufe sowie Prozesse sind etabliert. Aus Sicht von Geschäftsführer Thomas Elsner ist die bewährte Zusammenarbeit ein großer Vorteil für die Bundeswehr: „Qualitativ hochwertige Wartungswerkzeuge sind unersetzlich für die Zuverlässigkeit von Transporthubschraubern. Mit unserem Equipment stellen wir als Marktführer damit die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr sicher.“

Hydro wird im Rahmen des Programms vor allem die Bodenausrüstung für die CH-53K (Dreibockheber, Radwechselheber und Schleppstangen), die Entwicklung und Wartung herstellergebundener Werkzeuge sowie die Dokumentation und Ausbildung für das entsprechende Equipment übernehmen. Vor allem der Hydro-Standort in Biberach/Baden wird eine wichtige Rolle für die geplante Wertschöpfung in Deutschland einnehmen. Hier werden Werkzeuge gemäß europäischen CE-Richtlinien gefertigt.

CH-53K übererfüllt Standardanforderungen

Das gebündelte Knowhow des Industrieteams ermöglicht es, dass die CH-53K als modernster, intelligentester und leistungsfähigster schwerer Transporthubschrauber am Markt viele der in der Ausschreibung genannten Mindestleistungen bereits serienmäßig und mit signifikantem Leistungsvorsprung übertrifft. So ist die CH-53K dank fortschrittlicher Technologie wie dem

„Health & Monitoring System” wartungsärmer und wird die vorgegebene Verfügbarkeitsrate von mindestens 70 Prozent deutlich übertreffen können.

Zudem bietet die CH-53K einige Fähigkeiten, die der Bundeswehr einen erheblichen Mehrwert bieten werden, ohne Teil der Ausschreibung zu sein und daher nicht in den Bewertungskatalog einfließen. So gewährleistet etwa die von Sikorsky entwickelte Rotorfaltanlageeine platzsparende Unterbringung und einen unkomplizierten Transport der CH-53K. Auch die existierende CH-53-Flotte verfügt über diese Fähigkeit. Neben operationellen Vorteilen für die Bundeswehr bietet diese Fähigkeit auch einen erheblichen Kostenvorteil: Infrastrukturen an den STH-Betriebsstätten müssten nicht kostspielig angepasst werden.

Auch im zivilen Katastrophenschutz verfügt die CH-53K über entscheidende Fähigkeiten. So kann der Helikopter bis zu 12.000 Liter Wasser pro Löschangriff transportieren – damit kann er im Vergleich zu seinem Vorgänger mehr als die vierfache Wassermenge in der gleichen Zeit ausbringen. Nicht zuletzt die vergangenen Hitzesommer belegen, dass der Klimawandel auch hierzulande für eine deutlich gestiegene Anzahl von Waldbränden sorgt.

Hintergrund

In Deutschland haben zu Beginn des Monats die Verhandlungen mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) nach der Angebotsabgabe im Januar begonnen. Die Aufforderung zur Abgabe der finalen Angebote (Best and Final Offer) wird zum Jahresende erwartet. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe des neuen Transporthubschraubers soll Anfang 2021 getroffen werden. Die erste Auslieferung der Luftfahrzeuge könnte wie gefordert ab 2024 erfolgen, um einen nahtlosen Übergang von der aktuellen CH-53G-Flotte zu ermöglichen, das entsprechende Personal auszubilden und die logistischen Grundlagen für den Betrieb in Deutschland zu schaffen.

Für das Projekt haben der US-Hubschrauberhersteller Sikorsky und der deutsche Technologiekonzern Rheinmetall frühzeitig ein Kernteam gebildet, zu dem die namhaften deutschen Industrieunternehmen MTU Aero Engines, Autoflug GmbH sowie Hydro Systems KG zählen. Zum erweiterten Team gehören unter anderem Hensoldt, Rohde&Schwarz, Vincorion, ZF Luftfahrt, Collins Aerospace.

Im Fall einer erfolgreichen Bewerbung wollen Sikorsky und Rheinmetall am Flughafen Leipzig/Halle ein Logistikzentrum sowie ein STH-Flotten-Unterstützungszentrum aufbauen. Wie die beiden Unternehmen bereits Ende Oktober 2019 ankündigten, befinden sie sich dazu in fortgeschrittenen Gesprächen mit Vertretern der Landespolitik, den dort bereits ansässigen Unternehmen sowie dem Flughafenbetreiber.

Die CH-53K ist durch ihre Vielseitigkeit für den taktischen Transport von Personal und Material, humanitäre Einsätze, medizinische Evakuierungs- oder bewaffnete Such- und Rettungsmissionen (CSAR) sowie im Katastrophenschutz einsetzbar. Besonders geeignet ist der schwere Transporthubschrauber bei der zunehmend wichtigen Brandbekämpfung aus der Luft, da kein anderer verfügbarer Hubschrauber mehr Löschwasser, Material und Personal in Einsatzgebiete transportieren kann.

Aufgrund der Auslegung des Laderaums ist die CH-53K zudem fähig, die gleichen Lufttransportpaletten wie die C-130J und der A400M aufzunehmen und so einen schnellen Ladungsumschlag zu ermöglichen. Damit kann der Hubschrauber an Orten eingesetzt werden, wo diese Transportflugzeuge aufgrund ihrer Größe nicht mehr landen können.

Betrachtet man die Lebenszykluskosten sowie Missionsanforderungen und -fähigkeiten, liefert die CH-53K den deutlich besseren Langzeitwert im Vergleich zu anderen Transporthubschraubern. Die Avionik und das digitalisierte Flugsteuerungssystem bieten Aufwuchspotential für die Integration weiterer Systeme und auch die Nutzlastfähigkeit kann mit relativ einfachen Modifikationen erheblich gesteigert werden. Ein integriertes Sensor- und Diagnosesystem ermöglicht es dem Hubschrauber, Probleme frühzeitig zu erkennen und einzugrenzen, was den Wartungsaufwand drastisch vereinfacht und ausschlaggebend für eine hohe Verfügbarkeit und den effizienten Betrieb der gesamten Flotte ist.


Über Lockheed Martin

Lockheed Martin ist ein weltweit tätiges Unternehmen der Sicherheits- und Luft- und Raumfahrtindustrie mit Sitz in Bethesda, Maryland (USA), das weltweit etwa 110.000 Menschen beschäftigt und vor allem in der Erforschung, Entwicklung, Herstellung und Integration sowie der Instandhaltung hochentwickelter technologischer Systeme, Produkte und Dienstleistungen tätig ist. Weitere Informationen unter www.lockheedmartin.com/de .

Über Rheinmetall

Die börsennotierte Rheinmetall AG mit Sitz in Düsseldorf ist ein weltweit agierender Technologie-konzern für die Zukunftsthemen Sicherheit und Mobilität. Mit rund 23.000 Mitarbeitern erwirtschaftet der Konzern in seinen beiden Sparten Automotive und Defence einen Jahresumsatz von insgesamt über 6 Mrd. EUR. Das Unternehmen ist weltweit an über 120 Standorten und Produktionsstätten vertreten. Als führendes europäisches Systemhaus für Verteidigungs- und Sicherheitstechnik steht Rheinmetall Defence für langjährige Erfahrung und Innovationen bei gepanzerten und logistischen Fahrzeugen, Waffen und Munition sowie auf den Gebieten der Flugabwehr, Elektronik und Simulation. Als luftfahrtzertifizierter Betrieb will Rheinmetall Aviation Services im Vorhaben Schwerer Transport¬hubschrauber wichtige Serviceleistungen wie Wartung, Instandsetzung, Ausbildung und Programmunterstützung in Deutschland erbringen und somit Hauptansprechpartner des Kunden Bundeswehr sein.

Über das deutsche CH-53K-Team

Sikorsky hat frühzeitig ein deutsches Industrieteam geformt und dafür gesorgt, dass die Expertise der lokalen Partner direkt in die Bewerbung einfließt. Ein Großteil der Wertschöpfung des

Projekts wird somit in Deutschland entstehen. Das deutsche CH-53K-Team wird angeführt von Rheinmetall. Weitere Teammitglieder von Sikorsky sind unter anderem Autoflug, Collins Aerospace, Hensoldt, HYDRO Systems, MTU Aero Engines, Rohde & Schwarz, Vincorion und ZFL.

Das deutsch-amerikanische CH-53K-Team bildet die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches STH-Programm und gewährleistet eine hohe Verfügbarkeit des Hubschraubers sowie zuverlässige Unterstützung und Wartung – über die gesamte Nutzungsdauer des Hubschraubers hinweg.


Das STH-Team bei “ILA goes Digital”

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