Chronik 1919-1945

1919
Der im Juni unterzeichnete Vertrag von Versailles untersagt dem Deutschen Reich die Herstellung von Waffen größerer Kaliber und entzieht Rheinmetall damit zunächst einen wesentlichen Teil der Geschäftsgrundlage. Der neuen Situation begegnet das Düsseldorfer Unternehmen, dessen Aktienmehrheit von 1925 an vom Staat kontrolliert wird, mit dem verstärkten Ausbau seiner zivilen Kapazitäten. Die Stahlerzeugung im Werk Rath wird in den Folgejahren erheblich verstärkt, um die Produktion ziviler Güter sicherzustellen.
1920
In der ersten Hälfte der zwanziger Jahre werden im Rheinland Landmaschinen und schwere Dampfpflüge, Eisenbahnwaggons und Lokomotiven gebaut, im Thüringer Werk Sömmerda feinmechanische Geräte (Schreib- und Rechenmaschinen), Schleifhexen sowie Kraftfahrzeugteile hergestellt. Das Werk entwickelt sich bis 1929 zum größten Hersteller von Gelenkwellen in Deutschland.
1921
Laut der Verordnungen der Alliierten dürfen bei Rheinmetall wieder mittelkalibrige Waffensysteme in geringen Stückzahlen hergestellt werden.
1923-1925
Von 1923 bis 1925 ist das Werk Derendorf von belgischen und französischen Truppen besetzt. Mangels Aufträgen gerät die Zivilproduktion in Düsseldorf bald in die roten Zahlen und wird - mit Ausnahme der ertragbringenden Dampfpflug-Produktion - nach und nach eingestellt.
1925
Über die Vereinigte Industrieanlagen AG übernimmt das Deutsche Reich die Aktienmehrheit an Rheinmetall.
1928
Am 20. November stirbt Heinrich Ehrhardt im Alter von 88 Jahren. Bis ins hohe Alter richtet er seine Kreativität auf waffentechnische Entwicklungen. Erst 1921, mit 81 Jahren, scheidet er aus dem Aufsichtsrat aus, um sich in seine Thüringer Heimat zurückzuziehen.
1933
Rheinmetall erwirbt im April die vor der Liquidation stehende August Borsig GmbH, einen der bedeutendsten Lokomotivhersteller des Deutschen Reiches, und kommt damit in den Besitz eines großen Werkes im Berliner Stadtteil Tegel.
1936
Rheinmetall und Borsig fusionieren zur Rheinmetall-Borsig AG.

Seit Mitte der dreißiger Jahre entwickelt und produziert die Rheinmetall-Borsig AG im Auftrag des damaligen Reichskriegsministeriums Waffen und Munition. Die Fertigungspalette reicht von Maschinengewehren und -kanonen über Panzerabwehrgeschütze, Minenwerfer und Feldkanonen bis hin zu Flugabwehrkanonen und Eisenbahngeschützen.
1937
In Berlin wird das Tochterunternehmen Alkett zur Panzer- und Waffenproduktion gegründet.
1938
Der Firmensitz der Rheinmetall-Borsig AG wird von Düsseldorf nach Berlin verlegt.
1939
Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Bereits im ersten Kriegsjahr werden alle Rüstungsbetriebe von Institutionen der Wehrmacht kontrolliert.
1941
Die Aktienmehrheit an der Rheinmetall-Borsig AG geht auf das Staatsunternehmen Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring über. Dieses zum größten Konzern des Deutschen Reiches angewachsene Konglomerat von Unternehmen der Schwerindustrie bestimmt die Aufrüstungspolitik im nationalsozialistischen Deutschland. Rheinmetall-Borsig wird damit verstaatlicht und vollständig in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert.
1942-1944
Mit fortschreitender Kriegsdauer fordert der NS-Staat von der Industrie immer größere Anstrengungen zur Steigerung der Rüstungsproduktion. Forderungen des Heeres, der Marine und der Luftwaffe nach technischen Neuerungen lassen auch die Entwicklungsabteilungen von Rheinmetall-Borsig unter Hochdruck arbeiten. Bis Juli 1944 werden rund 20 eigenentwickelte Waffensysteme bei der Wehrmacht eingeführt.
1944/45
Luftangriffe hinterlassen auch in den Rheinmetall-Werken unübersehbare Spuren und beeinträchtigen die Produktion erheblich. Zahlreiche Produktionsbereiche der Düsseldorfer Werke werden nach einem schweren Luftangriff in mitteldeutsche Gebiete und östliche Provinzen des Reiches wie Guben, Apolda und Breslau verlagert. Auch die Werke in Berlin und Sömmerda richten Verlagerungsbetriebe ein. Im November 1944 verursachen britische Luftangriffe schwere Schäden in den Werken Derendorf und Rath.
1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Werkanlagen der Rheinmetall-Borsig AG zum größten Teil zerstört. Die im Westen des Reiches gelegenen Betriebe in Düsseldorf, Berlin und Unterlüß werden unter die Kontrolle der westlichen Alliierten und unter Treuhänderschaft gestellt. Einige Werke werden von den Siegermächten vollständig demontiert, die Besitzungen in den von der Roten Armee besetzten Gebieten gehen verloren. Bis 1950 herrscht völliges Produktionsverbot.
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    Dr. Christian Leitzbach
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    Deutschland

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