Chronik 1889-1918

1889
Der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein erhält vom Kriegsministerium einen größeren Munitionsauftrag für ein neues Gewehr des deutschen Heeres, kann ihn aber mangels geeigneter Kapazitäten nicht ausführen. Generaldirektor Massenez bietet dem Thüringer Ingenieur Heinrich Ehrhardt an, diesen Auftrag im Auftrag des Hörder Vereins in einem eigens dafür errichteten Unternehmen auszuführen. Ehrhardt geht das Wagnis ein und beginnt mit dem Aufbau einer Fabrikationsstätte in gemieteten Räumen in Düsseldorf-Bilk. Mit der finanziellen Untersützung eines Bankenkonsortiums ruft der Hörder Verein am 13. April 1889 die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft ins Leben, die fortan unter der maßgeblichen Leitung von Heinrich Ehrhardt steht.
1891
Am 28. Januar wird Heinrich Ehrhardt unter der Nummer 67921 vom Kaiserlichen Patentamt für das "Verfahren zum Lochen und gleichzeitigen Formgeben von Eisen- und Stahlblöcken in erhitztem Zustand" ein Patent erteilt. Zahllose, bereits 1889 in Zella begonnene Versuche des findigen Ingenieurs, nahtlose Rohre herzustellen, sind schließlich von Erfolg gekrönt. Zusätzlich entwickelt er ein Press- und Ziehverfahren, auf das er am 21. April 1892 ein weiteres Patent unter der Nummer 73005 erhält. Die nach Ehrhardts Press- und Ziehverfahren hergestellten Rohre und Hohlkörper finden starken Absatz in der Industrie, beim Militär, bei Reedereien und bei der Eisenbahn sowie bei Gas- und Wasserversorgungsunternehmen.
1892
Im Werk Derendorf werden zur Aufnahme einer Geschützrohr-Produktion ein Röhrenwerk und eine Eisengießerei errichtet. Die neuen Fabrikeinrichtungen ermöglichen auch die Herstellung ziviler Produkte wie zum Beispiel von Stahlrädern oder -flaschen.

Da aufgrund der Ausweitung des Produktionsprogramms der Bedarf an Stahl erheblich gestiegen ist, erwirbt Heinrich Ehrhardt mit seinem späteren Schwiegersohn Paul Heye eine kleine Gesenkschmiede in Rath, die im Jahr darauf in die Aktiengesellschaft Rather Metallwerk Ehrhardt & Heye umgewandelt wird.
1894
Die Rheinmetall-Aktie wird an der Berliner Börse erstmals im amtlichen Handel zugelassen.
1896
Das Rather Metallwerk wird in die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik als Abteilung Rath eingegliedert. Ehrhardt verfügt damit über eine gesicherte Eigenfertigung von Qualitätsstählen und Halbzeugen, die ihn von Zulieferern weitgehend unabhängig machtt.

Ehrhardt entwickelt das erste "felddiensttaugliche" Rohrrücklaufgeschütz - eine für die damalige Zeit herausragende technische Entwicklung. Sie trägt dem knapp 60-jährigen hohe Auszeichnungen des norwegischen Königs, des österreichischen Kaisers und schließlich auch des deutschen Kaisers Wilhelm II. ein. Für das Unternehmen bedeutet Ehrhardts Entwicklung großen wirtschaftlichen Erfolg.

1899
Für die Erprobung von Waffen und Munition pachtet die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik ein großes Gelände unweit des Dorfes Unterlüß in der Lüneburger Heide. Als erstes Gebäude wird dort 1905 eine 16 Quadratmeter große Werkshalle zur Fertigung von Geschossen und Patronenhülsen errichtet. In den folgenden Jahren wird der Schießplatz durch die Ausweitung des Geländes erheblich vergrößert. Heute umfasst das Rheinmetall-Erprobungsgelände in Unterlüß eine Gesamtfläche von rund 50 Quadratkilometern, von denen rund 80 Prozent forstwirtschaftlich genutzt werden.
1901
Mit dem Kauf der Munitions- und Waffenfabrik AG in Sömmerda (Thüringen) - die ehemalige von Dreyse'sche Gewehrfabrik stellt in jener Zeit Handfeuerwaffen, Patronen und Geschosszünder her - erweitert die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik ihr Produktionsprogramm und festigt zugleich ihre Stellung im Markt.

In den folgenden Jahren wird die Fertigung zielstrebig ausgebaut. Rheinmetall erringt mit dem Rohrrücklaufgeschütz erste geschäftliche Erfolge im Ausland. Die britische Armee bestellt 18 Batterien einschließlich Munition und Munitionstransportwagen. Weitere Aufträge erreichen Rheinmetall aus Norwegen, Österreich und den USA.
1902
Rheinmetall erhält nach eingehenden Vergleichsversuchen einen Auftrag über 50 Schnellfeuerfeldgeschütze mit langem Rohrrücklauf und dazugehöriger Munition aus den Vereinigten Staaten. Obwohl dieser Auftrag nicht sehr umfangreich ist, ist er für Rheinmetall von entscheidender Bedeutung, da die USA ihre Streitkräfte für gewöhnlich nicht mit ausländischen Waffen ausrüsten.
1905
In Unterlüß wird die erste Fabrikationsstätte zur Laborierung von Geschützpatronen errichtet.
1906
Um die Kapazität seines Düsseldorfer Werkes auszuweiten, erwirbt Rheinmetall 1906 die benachbarte Fabrik Germania, die als Werk II in das Unternehmen eingegliedert wird.
1909
Das Gebirgsgeschütz System Ehrhardt wird in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika eingeführt. Um Schießversuche mit den von Rheinmetall hergestellten Schiffsgeschützen durchführen zu können, wird der Schießplatz in Unterlüß verlängert.
1914
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August ist Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Reich. Anfang 1914 beschäftigen die Rheinmetall-Werke fast 8.000 Mitarbeiter. Ein Jahr später arbeiten bei Rheinmetall insgesamt 14.000 Menschen, und bis 1918 vergrößert sich die Belegschaft auf knapp 48.000 Arbeiter und Angestellte, darunter etwa 9.000 Frauen.
1918
Mit dem Waffenstillstand im November kommt die wehrtechnische Produktion schlagartig zum Erliegen; das Unternehmen, dessen bebaute Flächen sich in Düsseldorf während der Kriegsjahre nahezu vervierfacht haben, muss zahlreiche Beschäftigte entlassen.
  • cL historia

    Dr. Christian Leitzbach
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    Deutschland

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